
Wenn die Haut chronisch erkrankt
Die Haut ist rot und entzündet, der Juckreiz oft unerträglich. Neurodermitis ist quälend und bis zu 10 Prozent der Deutschen sind davon betroffen. Vor allem Kinder leiden darunter.
Oft fangen die Vorstufen der Neurodermitis bereits im Säuglingsalter an. Die Kopfhaut der Kleinen ist mit milchig anmutenden Krusten bedeckt. Der sogenannte Milchschorf zeigt sich schon in den ersten Lebensmonaten und ist gekennzeichnet durch einen schuppig- rauen, juckenden Bläschenausschlag, der im weiteren Verlauf die typische Krustenbildung aufzeigt. Oft verschwindet der Schorf so schnell wie er gekommen ist, doch nicht selten manifestiert sich daraus eine spätere Neurodermitis. Was ist das für eine hartnäckige Krankheit, die bis heute als unheilbar gilt und vielen Betroffenen das Leben so schwer macht?
Neurodermitis ähnelt zunächst einem ganz normalen Ekzem. Erst der Arzt kann durch gründliche Begutachtung und ausführliche Anamnese feststellen, ob tatsächlich eine Neurodermitis vorliegt. Oft wird auch ein Blutbild angeordnet, um festzustellen, ob bestimmte Antikörper im Blut der Betroffenen erhöht sind.
Die Krankheit
Die Entstehung einer Neurodermitis (auch atopisches Ekzem genannt) ist komplex. Diskutiert werden überwiegend genetische Faktoren (genetische Disposition), die dazu führen, dass die Haut sich so „krank“ verhält. Wesentlich dabei sind eine gestörte Hautbarriere und die angeborene Atopie. Unter dem aus dem griechischen Sprachgebrauch stammenden Begriff Atopie versteht man die ererbte Bereitschaft, besonders empfindlich auf Umwelteinflüsse jeglicher Art zu reagieren. Die Atopie beschränkt sich dabei nicht nur auf die Neurodermitis. Atopiker neigen auch gleichzeitig zu Allergien und allergischem Asthma. Als Indikator für eine Atopie gelten bestimmte Antikörper (IgE), die bei entsprechend Veranlagten oft erhöht sind.
Dabei wäre es zu einfach, eine Neurodermitis als bloße Hautallergie abzutun. Die Krankheit ist vielmehr ein Mix aus genetischer Disposition, immunologischen Reaktionen und Umwelteinflüssen zum Beispiel in Form von Allergien.
Die etwas andere Haut der Neurodermitiker
Die menschliche Haut ist das größte sichtbarste Organ. Ständig äußerlichen Einflüssen ausgesetzt, muss sie robust und widerstandsfähig sein, um beispielsweise Kälte, Hitze oder verschiedenen Keimen zu trotzen.
Dafür benötigt die Haut eine Schutzschicht. Bei Neurodermitikern ist diese Barrierefunktion der Haut nicht mehr intakt. Mehrere Gendefekte sorgen dafür, dass sich ein bestimmtes protektives Protein nicht mehr bildet- die oberste Hautschicht wird trockener und empfindlicher. Sie ist durchlässiger für Mikroorganismen und die Entzündungsbereitschaft steigt. Der Haut mangelt es zudem an Fett und Feuchtigkeit.
Der Verlauf
Obgleich sich Neurodermitis optisch kaum von einem sporadisch auftretenden Ekzem unterscheidet, verläuft sie in der Regel chronisch. Die Haut ist extrem trocken und gerötet. Charakteristisch ist der quälende Juckreiz, unter dem gerade Kleinkinder sehr leiden. Krankheitsaktive Episoden („akuter Schub“) wechseln sich dabei mit beschwerdefreien Phasen ab. Experten beobachten eine stete Zunahme der Erkrankungen. Bis heute gibt es allerdings keinen genauen Aufschluss darüber, warum das so ist. In der Regel lässt die Krankheitsaktivität mit zunehmendem Alter nach. Lediglich 10- 20 Prozent derjenigen, die als Kind bereits Neurodermitis hatten, sind als Erwachsene noch davon betroffen.
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